Neulich in Philo, nachdem wir einige klassische Ethik-Konzepte

erörtert hatten, überraschte uns Kevin Ingenwerth (Jahrgangsstufe 12) mit einem eigenen Modell:

Die Zwei-Klassen Gesellschaft des moralische Handelns

Der Mensch sucht Erklärungen für sein Handeln. Er versucht es in Kategorien einzuteilen, um es besser einschätzen zu können. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, welches sich selbst Grenzen für sein Handeln auferlegt und deshalb auch das einzige Wesen, das sich über solche hinwegsetzen kann. Die Frage ist nur, welche Grenzen wir uns setzen wollen. Reichen zehn Gebote, um alles seinen geregelten Gang gehen zu lassen, oder brauchen wir einen kategorischen Imperativ à la Kant? Oder vielleicht doch etwas völlig Anderes, weil sich niemand zehn Gebote merken kann und der kategorische Imperativ auch seine Ungereimtheiten aufweist?

Wir suchen also nach einer Grenze zwischen moralischen und unmoralischen Handlungen, am besten klar definiert und ohne Grauzonen. Bevor wir das allerdings bewerkstelligen können, müssen wir den Begriff der Moral näher bestimmen.

Kant sagt: Eine Handlung ist nur dann moralisch wertvoll, wenn sie aus einem reinen Guten Willen getan wird, der impliziert, dass man keinen Eigennutz daraus zieht. Die Bibel sagt: Alle Handlungen, die du in bestem Gewissen der zehn Gebote tust, sind moralisch nicht verwerflich. Beide Positionen zeigen bei genauerer Betrachtung deutliche Lücken und Schlupflöcher auf, sodass man sich die Frage nach dem praktischen Nutzen dieser Ansätze stellen kann. Um eine neue Theorie zu finden gehen wir davon aus, dass wir Menschen sind, die nicht an Gott und seinen großen Verein glauben und Kant nur als den Erfinder von Kanthölzern kennen.

Grundsatz 1: moralisches Handeln

Eine moralische Handlung definieren wir als das Handeln eines Menschen, welches, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, einen unbestreitbaren Vorteil für einen oder mehrere andere Menschen hat. Besteht die Handlung jedoch auch nur zum Teil daraus, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, einen Nachteil für einen Menschen zu haben, wird sie dadurch unmoralisch. Da Ausnahmen die Regel bestätigen, gibt es auch hier eine:

Sollten jedoch durch einen persönlichen Nachteil, den man absichtlich oder unabsichtlich herbeiführt, ausschließlich Vorteile für andere Menschen erzeugt werden, bleibt die Handlung moralisch.

(Die erste Stütze unserer Argumentation ist somit geschaffen und bereit von den Philosophen dieser Welt wieder zu kleinen Logikwölkchen pulverisiert zu werden.)  ;-)

Grundsatz 2: Handeln und Nicht-Handeln

Eine moralische Handlung hat, falls man in der Lage ist sie zu verrichten, unbedingt die höchste Priorität. Eine Situation, die man für alle uneingeschränkt vorteilhaft regeln kann, ist man verpflichtet zu regeln.

Sollte man jedoch auf das Handeln verzichten, muss man sich ab diesem Zeitpunkt zu den unmoralisch handelnden Menschen (UHM) zählen. Sollte man durch unvorhersehbare Dinge von der Handlung abgehalten werden oder am Scheitern der Handlung nicht selbst Schuld tragen, bleibt der Versuch eine moralische Handlung.

Wird man durch einen anderen Menschen beabsichtigt oder unbeabsichtigt von einer moralischen Handlung abgehalten, so zählt man ihn fortan zu den unmoralisch handelnden Menschen.

Zusammengefasst heißt das:
Handle moralisch oder versuche es, wann immer es dir möglich ist.

Grundsatz 3: moralisch handelnde Menschen (MHM) und ihr Gegenstück

Ein Mensch bleibt so lange ein MHM, bis er stirbt oder ein UHM wird, wie in Grundsatz 2 beschrieben. Dies hat zur Folge, dass MHMs einen UHM von ihren Handlungen, die einen unbestreitbaren Vorteil für andere Menschen haben, ausschließen können (nicht müssen). Das heißt, dass bei einer moralischen Handlung eines MHM ein UHM zu Schaden kommen darf. Sie sind also von Grundsatz 1 ausgeschlossen und dürfen jeder Zeit für moralische Handlungen genutzt werden.

Handelt ein UHM wider Erwarten moralisch, so hat das keinen Effekt auf seine Zuordnung, da er bereits zuvor anderen Menschen geschadet hat.

Auf den Punkt gebracht bedeutet es:
Hat man einmal unmoralisch gehandelt, kann man nicht erwarten selbst moralisch behandelt zu werden.

Grundsatz 4: unvermeidlich unmoralisch

Falls man gezwungen sein sollte unmoralisch zu handeln, da alle Entscheidungen, die man treffen kann, eine unmoralische Handlung zur Folge haben, gilt das Gesetz des kleineren Übels. Dies ist daran zu bemessen, wie groß die Nachteile sind, die andere Menschen dadurch haben.

Entscheidet man richtig, so wird man im Folgenden nicht zu den UHMs gezählt, tut man jedoch das Falsche, ist dies der Fall. Das Streben der Menschen sollte sich also darauf richten, moralisch handelnde Menschen zu bleiben, da alles andere den Ausschluss aus einer moralischen Gesellschaft zur Folge hat.

Bedachtes Handeln ist also gefragt, da man dadurch vermeiden kann unabsichtlich anderen Menschen durch sein Handeln zu schaden.

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